Förderung generationenübergreifender Wohnformen
9. Januar 2026 – Interpellation betreffend der Förderung generationenübergreifender Wohnformen in Emmen eingereicht
In den letzten Jahren ist unsere Gemeinde stetig gewachsen – sowohl in Bezug auf die Bevölkerungszahl als auch hinsichtlich der Altersstruktur. Die demografische Entwicklung zeigt klar: Die Zahl älterer Menschen nimmt kontinuierlich zu, gleichzeitig ziehen immer mehr Familien und Einzelpersonen zu. Ebenfalls steigt die Anzahl der Einzelhaushalte kontinuierlich an. Dieser Wandel stellt uns als Gemeinde vor neue Herausforderungen, eröffnet aber auch Chancen für innovative Wohn- und Lebensformen.
Die Gemeinde Emmen verfügt bereits über eine vielfältige Infrastruktur im Bereich Wohnen im Alter. Dazu gehören mehrere spezialisierte Wohnformen, die sowohl selbstständiges als auch betreutes Wohnen ermöglichen:
- Wohnen im Alter Emmenfeld bietet 54 Alterswohnungen mit einem individuellen Dienstleistungsangebot, betreut durch die BZE AG (Betagtenzentrum Emmen)
- Im Wohnpark Alp stehen 44 altersgerechte Wohnungen zur Verfügung, ergänzt durch verschiedene unterstützende Dienstleistungen
- Die BZE AG Emmenfeld und Alp betreibt daneben auch ein klassisches Betagtenzentrum mit umfassender Betreuung und Pflege
- Das Wohnheim Lindenfeld Emmen bietet betreutes Wohnen mit 46 Plätzen für Männer mit besonderem Unterstützungsbedarf
- Die Wohnbaugenossenschaft Emmen setzt sich für bezahlbaren Wohnraum in der Gemeinde ein, auch für ältere Menschen
- Im Vivale Sonnenplatz finden sich moderne Alterswohnungen mit individuell wählbaren Dienstleistungen sowie integrierte Pflegeplätze. Dieses Angebot ist allerdings derzeit nicht vollständig auf der Kontaktstelle Alter Emmen verlinkt.
Diese Angebote zeigen, dass in Emmen bereits eine solide Basis für das Wohnen im Alter vorhanden ist. Was derzeit jedoch fehlt, ist ein generationenübergreifendes Wohnprojekt, das bewusst den Austausch und das Zusammenleben verschiedener Altersgruppen fördert –
als Ergänzung zum bestehenden Angebot und als Antwort auf den gesellschaftlichen Wandel.
Eine generationenübergreifende Wohnform kann eine Antwort auf mehrere dieser Herausforderungen sein. Dabei leben Menschen unterschiedlichen Alters – Familien, Alleinstehende, Senioren, junge Erwachsene – unter einem Dach oder in enger Nachbarschaft zusammen. Sie teilen gewisse Räume, unterstützen sich gegenseitig im Alltag und profitieren vom sozialen Austausch. Dies fördert nicht nur den Zusammenhalt in der Gemeinde, sondern beugt auch der Vereinsamung – besonders im Alter – vor, stärkt das Verantwortungsgefühl und fördert das gegenseitige Lernen.
Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist das Projekt Planatera 11 in Chur, bei dem generationenübergreifendes Wohnen aktiv umgesetzt wird. Dort leben Menschen verschiedenen Alters, mit und ohne Unterstützungsbedarf, gemeinsam in einer
durchmischten Siedlung mit gemeinsam genutzten Räumen und klaren Strukturen der Mitverantwortung. Es zeigt eindrucksvoll, dass solche Wohnformen nicht nur machbar, sondern langfristig auch ökonomisch und gesellschaftlich sinnvoll sind.
Die Gemeinde Emmen verfügt über ein Altersleitbild, dessen genaues Erscheinungsdatum nicht bekannt ist. Es bildet jedoch die Grundlage für die strategische Ausrichtung der Alterspolitik. Darin hält die Gemeinde fest, dass aktuelle Entwicklungen in der Alterspolitik zu berücksichtigen sind und das Leitbild regelmässig überprüft sowie an neue Erkenntnisse angepasst werden soll.
Ein zentrales Element war dabei ursprünglich die Alterskommission, die den Auftrag hatte, die Alterspolitik zu analysieren, Ergebnisse zu evaluieren und Empfehlungen abzugeben. Gemäss unseren Recherchen existiert diese Kommission heute jedoch nicht
mehr.
Die Gemeinde betont im Leitbild, dass generationenübergreifende Ansätze in der Altersvorbereitung unterstützt werden. Ein konkreter Verweis auf generationenübergreifende Wohnformen oder Projekte fehlt jedoch.
Wir sind der Überzeugung, dass die Gemeinde hier eine wichtige Rolle übernehmen kann – sei es durch die Bereitstellung von gemeindeeigenem Land, durch planerische Unterstützung oder durch eine aktive Begleitung von Projekten in Zusammenarbeit mit privaten Initiativen, Genossenschaften oder sozialen Trägerschaften.
Vor diesem Hintergrund bitten wir den Gemeinderat um die Beantwortung folgender Fragen:
- Ist dem Gemeinderat der Bedarf und das Potenzial generationenübergreifender Wohnformen in unserer Gemeinde bewusst?
- Gibt es aktuell Bestrebungen oder bereits existierende Projekte in unserer Gemeinde, die in diese Richtung gehen?
- Soll die Alterskommission wieder aktiviert werden? Wenn ja, mit welchem Auftrag?
- Verfügt die Gemeinde über geeignete Grundstücke oder Liegenschaften, die für solche Wohnformen zur Verfügung gestellt oder reserviert werden könnten?
- Wie beurteilt der Gemeinderat die Möglichkeit, bei zukünftigen Bauprojekten (z. B. im Baurecht) explizit generationenübergreifende Wohnprojekte zu fördern oder vorzusehen?
- Wäre der Gemeinderat bereit, ein Pilotprojekt zu unterstützen oder eine Machbarkeitsstudie zur Realisierung einer solchen Wohnform in Auftrag zu geben?
- Welche rechtlichen, planerischen oder politischen Voraussetzungen müssten gegeben sein, damit die Gemeinde ein solches Projekt mittragen oder selbst initiieren könnte?
Wir danken dem Gemeinderat für die Prüfung dieser wichtigen Anliegen und freuen uns auf die Beantwortung dieser Fragen im Sinne einer zukunftsgerichteten und sozialen Wohnpolitik.
Im Namen der Fraktion Die Mitte